Backups sind so ein Thema, über das niemand gerne redet, bis der Moment kommt, in dem sie wirklich zählen. Genau so ein Moment war letzte Woche: Ein Kunde brauchte eine Datei zurück – nicht von gestern, sondern in einem Stand vom März. Also mehrere Monate her.
Bei vielen Backup-Systemen wäre die Unterhaltung an dieser Stelle schon vorbei gewesen. Die Datei war stattdessen nach kurzer Zeit wieder da – aus dem Snapshot vom März, sauber wiederhergestellt.
Warum das bei klassischen Backups oft nicht klappt
Viele Backup-Setups arbeiten nach einem klassischen Rotationsprinzip: täglich sichern, ältere Stände nach ein paar Tagen oder Wochen überschreiben, vielleicht noch ein paar wöchentliche und monatliche Sicherungen. Das ist nicht falsch – aber es hat eine unbequeme Eigenschaft: Je weiter ein Stand zurückliegt, desto wahrscheinlicher ist er schon wieder überschrieben.
Eine Datei, die im März verändert oder gelöscht wurde und erst Monate später vermisst wird, fällt genau in dieses Loch. Der Stand, den man bräuchte, existiert schlicht nicht mehr, weil die Aufbewahrung so weit gar nicht reicht. Und das merkt man immer erst dann, wenn es zu spät ist.
Das ist keine Schwäche eines bestimmten Produkts, sondern eine Frage der Aufbewahrungsstrategie – und die wird viel zu oft dem Zufall überlassen.
Was snapshot-basierte Backups anders machen
Wir sichern nicht nach dem alten Überschreib-Prinzip, sondern snapshot-basiert. Vereinfacht gesagt:
- Jede Sicherung ist ein eigener, vollständiger Blick auf den Datenstand zu genau diesem Zeitpunkt.
- Durch Deduplizierung wird dabei nicht jedes Mal alles neu gespeichert, sondern nur, was sich tatsächlich geändert hat. Gleiche Inhalte liegen nur einmal im Speicher.
- Dadurch ist es bezahlbar, viele Stände über lange Zeit vorzuhalten – tägliche für die letzten Wochen, wöchentliche und monatliche für viel weiter zurück.
Der Effekt: Auch ein Stand von vor mehreren Monaten ist noch da, ohne dass der Speicherbedarf explodiert. Genau das hat in diesem Fall den Unterschied gemacht.
Die eigentliche Lektion: Aufbewahrung ist eine Entscheidung, kein Zufall
Der wichtigste Punkt an dieser Geschichte ist nicht die Technik, sondern die Frage dahinter: Wie weit zurück willst du im Ernstfall gehen können?
Das ist eine geschäftliche Entscheidung, keine rein technische. Für manche Daten reichen zwei Wochen. Bei anderen – Buchhaltung, Verträge, Projektstände, alles, was rechtlich oder fachlich relevant ist – kann es entscheidend sein, auch nach Monaten noch an einen alten Stand zu kommen. Wer das vorher bewusst festlegt, hat im Ernstfall die Datei noch. Wer es dem Standard überlässt, stellt die Frage erst, wenn es zu spät ist.
Deshalb legen wir Aufbewahrung nicht nach Bauchgefühl fest, sondern als klare Regel pro Datenbestand – und prüfen regelmäßig, ob eine Wiederherstellung auch wirklich funktioniert. Ein Backup, das man nie zurückgespielt hat, ist bis zum Ernstfall nur eine Vermutung.
Warum uns solche Momente wichtig sind
Am Ende zahlt sich ein Backup genau einmal aus – aber dann richtig. Die Rückmeldung in solchen Fällen ist meistens knapp und ehrlich: hat mir den Tag gerettet. Und genau darum geht es. Ein guter Backup-Betrieb ist nicht der, über den man ständig redet, sondern der, der im entscheidenden Moment leise das Richtige tut.
Wie wir Backups grundsätzlich aufsetzen, haben wir schon in State-of-the-Art-Backups mit Restic und S3 beschrieben, und warum die reine Sicherung nicht reicht, in Ransomware Recovery: Warum Backups allein nicht reichen. Dass so ein Backup im Alltag auch überwacht gehört, damit ein stiller Ausfall auffällt, steht in Backup-Monitoring aus Hiera.
Wenn du nicht sicher bist, wie weit deine Backups wirklich zurückreichen – oder ob eine Wiederherstellung im Ernstfall klappt – schauen wir uns das im Rahmen von Managed IT und einem sauberen Backup-Betrieb gemeinsam an. Am besten, bevor jemand eine Datei aus dem März braucht.